Erinnerungsarbeit

Besuch der Ausstellung „Schicksalsort Gefängnis. Opfer der NS-Justiz in der Krümmede“

Im Rahmen der politischen Bildungsarbeit besuchte das Fanprojekt Bochum mit jugendlichen Mitgliedern der Arbeitsgruppe „NS-Erinnerung in Bochum“ die Ausstellung „Schicksalsort Gefängnis. Opfer der NS-Justiz in der Krümmede“ von Alfons Zimmer im Stadtarchiv Bochum.

 

Alfons Zimmer, Pastoralreferent in den Justizvollzugsanstalten Bochum, erforscht seit drei Jahren Biografien von Menschen, die Opfer der NS-Justiz wurden und zwischen den Jahren 1933 und 1945 in der Justizanstalt in Bochum aus nicht-kriminellen Gründen inhaftiert waren. Das Zentrum für Bochumer Stadtgeschichte hat sechzig Portraits ausgesucht und ohne Ranking in einem verdunkelten Raum aufgehängt. Man begegnet den Personen auf Gesichtshöhe. Stationen ihres Schicksals und Haftgründe sind auf den Portrait-Tafeln dargestellt.

Nicht nur Konzentrationslager und Gestapo-Gefängnisse waren fester Bestandteil des nationalsozialistischen Terrorapparates. Bald fanden sich auch in den regulären Strafgefängnissen und Zuchthäusern des Reiches viele Oppositionelle und Kritiker von Staat, Wehrmacht und führenden Persönlichkeiten der Partei. Durch verschärfte Gesetzgebung sollte jeglicher Widerstand im Keim erstickt werden.

Waren es ab Anfang 1933 zunächst Oppositionspolitiker der KPD, der Sozialdemokratie, auch des Zentrums, aber auch religiös motivierte Widerständler wie Zeugen Jehovas und katholische Geistliche, so wurden mit Beginn des 2. Weltkrieges ab 1939 zunehmend Niederländer, Franzosen, Belgier und Luxemburger verhaftet. Diese sogenannten „Nacht- und Nebel-Häftlinge“ werden in ihrer Heimat bis heute aufgrund ihres Aufbegehrens gegenüber des nationalsozialistischen Terrorstaates als Helden verehrt. Hitlers „Nacht- und Nebel-Erlass“ ermöglichte die Verschleppung aller des Widerstandes Verdächtigten in die Gefängnisse des Reiches. Ihr spurloses Verschwinden diente der Abschreckung. Die Angehörigen erhielten keinerlei Auskünfte. Viele dieser Résistance-Leute starben unter dem Fallbeil in Dortmund, Köln und anderswo.

Die hier porträtierten politischen Gefangenen in der Krümmede stehen exemplarisch für eine weit größere Zahl Inhaftierter der Nazi-Diktatur. Viele weitere sind nur namentlich bekannt. Das Schicksal zahlreicher „Politischer“ ist jedoch völlig in Vergessenheit geraten.

Einen Besuch der Ausstellung empfehlen wir nicht nur allen Bochumern, sondern Geschichtsinteressierten über die Stadtgrenzen hinaus.